OMTH

Bernhardstag 2015



Predigt zu Mt. 22, 1 – 14

(Frá Bernhard - 2015 anlässlich des Berhardstages)


 
Also:.......Bei aller Liebe, besonders sympathisch ist dieser König ja nicht.

Gut, es geht um die Hochzeit seines Sohnes.

OK, die Eingeladenen waren nicht besonders interessiert, und gegen die, die die
Boten getötet haben, muss man selbstverständlich vorgehen.

Aber ganze Städte deswegen in Schutt und Asche zu legen, das wirft kein gutes Licht
auf diesen König.

Mit so einem will ich eigentlich nicht viel zu tun haben.

Und dann ist da ja auch noch der Schluss dieses Gleichnisses und der schlägt
dem Fass dann gleichsam den Boden aus.

Da werden die Menschen von den Straßen weg genötigt, zum Fest zu erscheinen, und
der eine, der dabei kein Hochzeitsgewand anhat, der wird daraufhin mit gebunden
Händen und Füßen auch noch – wie es im Evangelium heißt – in die äußerste
Finsternis geworfen.



Liebe Schwestern und Brüder,

bei aller Liebe, was für eine Hochzeitsfeier soll das denn bloß sein?

Und vor allem, was ist das für ein König?

Stellt uns etwa Jesus diesen jähzornigen, gewaltsamen, ungerechten und furchteinflößenden
Patron, wirklich als Bild für Gott, als Bild seines Vaters, vor Augen?

Nun:...........Jesus bestimmt nicht!

Dieser Evangelienabschnitt scheint nach Ostern aus verschiedenen Jesusworten vom
Evangelisten zusammengestellt worden zu sein – und das noch dazu unter dem
Eindruck der damaligen Zerstörung Jerusalems durch die Römer.

Den Christen erschien diese Zerstörung im Nachhinein gleichsam als Strafgericht
dafür, dass Gottes unüberbietbarer Bote, der Gottessohn Jesus Christus, von seinem
eigenen Volk, den Juden, ans Kreuz geschlagen und getötet wurde.

Und mit diesem Gottesvolk, das der Einladung des Bräutigams nicht folgen
wollte, verglich man die ursprünglich geladenen Gäste aus dem Gleichnis Jesu.

Sie, die Juden, hätten den Herrn enttäuscht und deshalb die Teilnahme am Fest verwirkt.

Die Boten des Königs, die dann hinauszogen und auf den Straßen und Plätzen alle
zum Fest des Bräutigams einluden, das waren – aus dem Bild übersetzt – die Apostel,
die durch alle Welt gezogen sind, um die Botschaft vom Reich Gottes unter die
Menschen zu bringen, die unterschiedslos alle in dieses Gottesreich einluden.

Der Schluss des Gleichnisses aber, ist ursprünglich eine eigenständige
Geschichte gewesen, die mit dem ersten Teil zunächst einmal gar nichts zu tun gehabt
hat.

Die Geschichte mit demjenigen, der kein Hochzeitsgewand trug, ist erst bei der Zusammenstellung
des Evangeliums an diese Stelle gesetzt worden.

Erst so kann man diesen eigenartigen Abschnitt einordnen und verstehen, welche Rolle
Jesus von Nazareth, welche Rolle der Evangelist und welche Rolle die geschichtlichen
Zusammenhänge bei der Entstehung dieses Textes spielten.


Eines aber bleibt trotzdem: So wie der Text nun einmal geworden ist, so
steht er heute im Evangelium, so ist er heilige Schrift.

Und so muss man ihn deshalb auch nehmen und sich fragen, was er in dieser Form für
mich, für uns und vor allem:............Was er für heute zu sagen hat.


Auf diesem Hintergrund der Entstehungsgeschichte des Textes, wird jetzt aber      auch klar:...........Ich bin einer von denen, die da, gleichsam von der Straße weg, eingeladen
wurden.

Und es ist nicht mein Verdienst, dass ich heute hier bin.

Und es bestand auch – weiß Gott – keine Notwendigkeit mich zum Fest zu laden.

Nur mit Glück bin ich Teil der Festgesellschaft geworden, eines Festes, das
bereits begonnen hat.

Aber so, Schwestern und Brüder, sind wir nicht nur alle eingeladen,
nein:............Wir sind bereits mitten drin in dieser Hochzeitsfeier.

Wir alle sind Glieder des Reiches Gottes, wir gehören bereits dazu, zu diesem Reich,
das mit der Auferstehung Christi seinen Anfang nahm.

Dass wir daran teilnehmen dürfen, ist gleichsam ein Geschenk und das Beste daran:...........Wir brauchten eigentlich nichts dafür zu tun.

Einzig und allein ein hochzeitliches Gewand, das sollten wir uns zulegen, denn dieses
Gewand ist die Voraussetzung.

Vermutlich hat der Evangelist dabei an das Taufkleid gedacht, jenes Gewand also, das für die Taufe, für die Eintrittskarte in diese Hochzeitsgesellschaft, steht, aber man kann dabei – gerade für heute – auch noch an mehr denken.

Von der Gerechtigkeit, die wie ein Gürtel anlegt wird, sprechen die Propheten
und vielleicht sieht so auch das wirkliche, dieser Hochzeit entsprechende
Gewand aus.

Es wäre dann ein Gewand aus Güte und Menschenliebe,

ein Gewand aus Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft,

ein Gewand, das sich dadurch auszeichnet, dass es unsere Offenheit gegenüber Gott
zum Ausdruck bringt, und allem voran unsere Güte zu den Menschen.

Solch ein Gewand sollten wir tragen.

Solch ein Gewand wäre dieser Hochzeitsfeier entsprechend.

Solch ein Gewand allein ist der Kirche Christi angemessen.



Amen.


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