OMTH

Ehre Dienst

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Herr, öffne meine Lippen,
auf dass mein Mund Dein Lob verkünde

Wurde den Jüngern der Kopf verdreht, als sie etwas geschehen sahen, was es doch nicht geben konnte, die Erhebung ihres Meisters weg von dieser Erde!? Nun, sie waren ja eigentlich vorbereitet. Eine Auferweckung von den Toten konnte es schließlich auch nicht geben, meinte nicht nur Thomas, der Zwilling, sondern dachten spontan alle Apostel. Dabei hatten es ihnen die Frauen felsenfest versichert. Gerade ihnen, den wenig geschätzten Frauen, wurde ja die Osterbotschaft zuerst verkündet! Jetzt aber stehen die Männer mit Jesus auf dem Ölberg und sind froh, IHN wieder bei sich zu haben. Sie empfangen Anweisungen. Sehr bald werden sie erkennen, dass es letzte Worte sind. Bildhaft wird uns geschildert, wie Jesus vor ihren Augen emporgehoben wird, bis ihn schließlich eine Wolke verdeckt.
Wohin sollen sie denn nun schauen, wenn nicht nach oben? Doch was sehen sie da? Ihnen bleibt einfach nur der letzte Blick auf die Füße Jesu, sonst sehen sie in der Wolke nichts mehr, sehen keine himmlischen Heerscharen und hören keine Fanfarenstöße, keinen Jubelschall. Zwei Männer in weißen Gewändern fragen sie, warum sie hinaufstarren. Es musste doch alles genau so geschehen, wie es geschah, erklären sie, das hatte die Schrift doch prophezeit! Und sie prophezeien seine Wiederkehr. Jesus, der HERR, zeigt also den Jüngern zuletzt just jene Körperteile, die er ihnen 43 Tage zuvor noch gewaschen hatte. Das war ein Dienst, und es war SEIN DIENST. Johannes schreibt in 13,5: „Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.“ Noch einmal bezeugt Jesus, der Meister, dass ihm jeder Mensch gleich viel wert ist. Sogar dem Judas, der ihn längst verraten hat, erweist er noch diesen Dienst. Glauben und bezeugen wir in unseren Worten und Taten: „Jeder Mensch ist es wert, dass er, der HÖCHSTE ihm dient.Sollten, ja, müssen wir nicht das gleiche tun, einander dienen? Und jetzt - - - tun wir das wirklich? Ich meine „ja!“, obwohl bei jedem von uns manchmal eine menschliche Unzulänglichkeit durchschimmern mag. Daher möchte ich uns ermutigen und daran erinnern, dass es in unserem Ordensgebet heißt: „Bringe uns zusammen zu Deinem heiligen Tempel, füge uns ein als lebendige Steine, erwecke uns zu wahrer Bruderschaft, da einer dem anderen dient in geheiligter Liebe.“ Es ist übrigens durchaus kein rein katholisches Wort von der „ecclesia semper reformanda“, von der Kirche, die ständig erneuert werden muss, es ist im Ursprung sogar evangelisch. Genauso ist das auch mit unserer Gemeinschaft. Ab und an fördert der Alltag eine gewisse Gedankenlosigkeit, manchmal gerät ein unbedachtes Wort zur Lieblosigkeit. Lasst uns doch bitte erneut auf uns selbst und aufeinander in geheiligter Liebe achten.
In unserem Orden gibt es wie überall dort auf der Erde, wo unterschiedliche Menschen das Leben miteinander gestalten, ganz unterschiedliche Aufgaben: Da gibt es unseren Prior und den Subprior, es gibt die verschiedenen Ämter des Magistralrats sowie unsere Kapläne und sogar einen Cantor. Wer von uns ist denn nun mehr wert oder wichtiger als der andere - mit oder ohne Amt? Ämter bezeichnen lediglich Ränge. Manche sind nur auf eine begrenzte Zeit verliehen. Machen wir es doch nicht jenen hirn- oder herzlosen Prominenten nach, die glauben, ihr höherer Rang verleihe ihnen einen höheren Wert. Jeder Mensch, jeder Bruder, jeder Gesunde, jeder Kranke oder Behinderte, jeder Heilige, jeder Sünder hat nur den gleichen Wert wie der andere, in der Gemeinschaft der Brüder und vor Gott. Das ist immerhin auch allgemeines Menschenrecht. Keiner darf sich also über den anderen erheben oder schlecht über ihn denken oder gar reden.
Wir sollten deswegen niemals vergessen, dass Gott uns alle gleichermaßen liebt. Unsere Ämter aber geben uns die wunderbare Möglichkeit, ohne Eitelkeit oder Neid einander zu dienen in geheiligter Liebe, so wie Jesus einst den Jüngern die Füße wusch. Darum zeigt
ER auch uns am Himmelfahrtstag nur noch die Füße. Er geht ein in die Herrlichkeit seines Vaters ohne Pomp und ohne himmlische Heerscharen - sogar ohne zusätzliche Abzeichen bestimmter Würden. Lediglich „zwei Männer in weißen Gewändern“ schickt er, die uns fragen, ob wir immer noch nicht begriffen haben, worum es Jesus mit uns in Gottes Reich geht! Es geht nicht um den Platz neben dem himmlischen Vater. Unseren Platz teilt er uns schon noch zu, wie es seine Liebe will. Als jungem Ordensmann wurde mir manchmal angst und bange vor der Größe und Tiefe des geistlichen Amtes: Mein Oberer glaubte damals, mich mit dem falschen Satz beruhigen zu können: „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Gnade und die Kraft dazu!“ Welche Hybris, welche Vermessenheit, Gott vorschreiben zu wollen, wem und was er schenkt! Ich war damals nur noch verzweifelte Opposition. Paulus verlangt stattdessen theologisch und psychologisch richtig: „Wer ein Charisma hat, dem gebe man das Amt dazu.“ So herum stimmt es, denn nicht das Amt verleiht uns das Charisma. Charisma ist nämlich jene Gnade, jene Begabung, also jenes große Geschenk, das Gott jedem von uns auf eine äußerst unterschiedliche Weise gemacht hat, und jeder darf sich nur dankbar über sein eigenes freuen. Auf diesem Konvent werden zwei Brüder zu Professrittern erhoben. Dafür danken wir Gott. Den beiden wünschen wir in Gottes Namen, dass ihre Berufung ihnen als Dienst vor Gott und den Brüdern bewusst bleibt. Lasst es mich daher am heutigen Himmelfahrtstag noch einmal zusammenfassen: Jesus zeigt uns mit seinen Füßen unseren WERT vor den Augen des liebenden Vaters mit dem mütterlichen Herzen.
Er weist uns darauf hin, dass der RANG nur auf ein Amt bezogen ist, nicht auf einen WERT des Menschen. Ein Amt sollte also letztlich die Folge einer Beauftragung sein, die dem Charisma folgt. Darum steht für uns Brüder der Dienst ungleich höher als die Ehre. Diese gebührt gemäß Psalm 115, Vers 1 nur EINEM:

Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam!
(Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib die Ehre! / Ps. 115,1)

In jedem Fall also und für jeden von uns sollte sich die Liebe zu Gott im Dienst an den Menschen und an unseren Brüdern verwirklichen.

Dazu verleihe uns der Dreifaltige Gott seinen Segen
und seinen Beistand:

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Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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