OMTH

Gottes Liebe

GOTTES LIEBE AUF UNSEREM ANTLITZ?

 

LESUNG

 

Der Auftrag des Auferstandenen (Mt 28,16-20):

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.

18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

19 Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.

20 Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

 

HOMILIE

 

Non nobis, liebe Schwestern und Brüder,

Jesus erteilt uns einen Missionsauftrag, der gebunden ist an die Zusage des Heils. Das unterscheidet uns zutiefst vom Judentum, das keine Mission kennt, sondern als das auserwählte Volk Gottes das Heil erwartet. Christen sind dem Auftrag der Mission durch zwei Jahrtausende immer wieder nachgekommen. Bald mussten sie erleben, dass sie als Heiden betrachtet und verfolgt wurden, weil sie dem Kaiser nicht als einem Gott opferten. Doch wie sagt Tertullian (* nach 150

in Karthago, heute in Tunesien / † nach 220)? „Sanguis martyrum semen est Christianorum.“ „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christen“.

 

Heute gibt es wieder Christenverfolgungen weltweit. Da steht der Freiheit die Angst gegenüber. Christus jedoch spricht: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28) Er wird bei uns bleiben bis an der Welt Ende.

 

Leider haben wir Christen durch verschiedene theologische, philosophische und politische Einflüsse unsere Unschuld verloren. Da sind die orthodoxen Christen, denen Rituale zu einem stärker mystisch geprägten Glauben verhelfen. Da ist die römisch-katholische Kirche, die zwar, und das ist in meinen Augen sehr positiv, heidnische Bräuche und kulturelles Gut anderer Völker integrieren konnte, dabei aber in ein geradezu materialistisch anmutendes Verständnis der Bibelaussagen gelangte, und dann ist da der Protestantismus, der stärker rational an das Bibelverständnis heranging, zum Beispiel in der historisch-kritischen Exegese.

 

Gotteserfahrung also als innerliche Begegnung in der Orthodoxie, Gottes Zusage als Folge kirchengesetzlichen Handelns in der Orthopraxie und schließlich die Freiheit eines Glaubens, die den Ruf nach der Gerechtigkeit Gottes durch Gnade, durch die Zusage SEINER Liebe beantwortet sieht.

 

Heute sollten wir eher bedenken, dass Sünde in erster Linie keine moralische Gebotsverfehlung bedeutet, sondern Entfremdung, Entfremdung vom eigenen Lebensziel, Entfremdung vom Mitmenschen und dadurch Entfremdung von Gott. Ist es nicht die Aufgabe unserer Zeit, insbesondere unseres Ordens, diese verschiedenen Theologien in uns selber zu versöhnen, damit wir Christen endlich ein glaubwürdiges Zeugnis der Menschenliebe Gottes ablegen?

 

Aber wir dürfen hoffen, denn „der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lk 19,10).

 

Dem Missionsauftrag Jesu sind wir nachgekommen, oftmals mit Feuer und Schwert. Heute darf es nicht mehr darum gehen, Glaubensformeln anderen aufzuzwingen. Mission verlangt vielmehr unser Zeugnis durch ein glaubwürdiges Handeln. Wie denn könnten wir zum Beispiel Muslimen von einem christlichen Gottesbild erzählen? Ihnen fehlt leider die abendländische Aufklärung, die uns Christen nach anfänglicher Verwirrung eine umso größere Klarheit gebracht hat.

 

Das islamische Gottesbild erscheint mir, wenngleich kulturell in einigen Ländern unterschiedlich beleuchtet, als immer noch äußerst archaisch. Jawohl, ihr Gott kennt die Barmherzigkeit. Unser Gott ist die Barmherzigkeit wesenhaft. Mir scheint im Islam zutiefst eine Angst zu herrschen, nämlich die Angst vor einem Gott, der nicht zur Freiheit beruft.

 

Allah fordert durch Mohammed die unbedingte Befolgung eines unselbständig-gesetzlichen Weges bis hin zum gesuchten Märtyrertod fehlgeleiteter Fanatiker und Terroristen. Dass es neuerdings in Deutschland eine muslimische Bestrebung hin zu mehr Liberalität gibt, lässt mich eine grundsätzlich andere Glaubenshaltung nicht erkennen.

 

Eine gottgewollte Lebenseinstellung kann für Christen einzig nur Liebe heißen. Paulus schreibt: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Gal 6,2) Wo stehen wir? In der Zeit der Urkirche gab es ein Staunen der Heiden über die Christen: „Seht, wie sie einander lieben!“ Liebe aber erfordert die Freiheit des Handelns und die Achtung der Freiheit des anderen.

 

Papst Franziskus scheint in diese Richtung zu zielen, wenn er seine Kirche sinngemäß so auffordert: Traut euch, wagt etwas, macht Fehler, nehmt Rüffel aus Rom nicht so ernst! Schaut über den katholischen Tellerrand, damit die Kirche nicht an sich selbst erstickt!

 

Wenn wir auf solche Weise Jesu Botschaft vom liebenden Vater ernst nehmen und sie gegenüber uns selbst, unseren Brüdern und unseren Mitmenschen gleich welcher Glaubensrichtung verwirklichen, dann befolgen wir nach meiner Ansicht am ehrlichsten und wirksamsten Jesu Missionsauftrag.

 

Dies alles verlangt natürlich die Umsetzung in unserem Orden. Zeigen wir im Alltag, dass Gottes Liebe auf unserem Gesicht erstrahlt, wenn wir dem Nächsten begegnen? Damit er staunen mag: Was hat dieser, was mir fehlt? Woher bezieht dieser seine Kraft? Welches Ziel verfolgt er in seinem Leben?

 

Die Hits und Events unserer Fun-Gesellschaft kennen keine Antwort auf Leid, Krankheit, Not und Tod. Jesus dagegen zeigt uns einen Weg durch alle Nöte dieses Lebens zur Liebe dessen, den er seinen und unseren Vater nennt.

 

Der OMTH wird nicht, bei aller nötigen, weltlichen Vorsorge, nur um sich selber kreisen. Teile ein jeder von uns mit anderen Menschen unsere Erfahrung, wie wichtig und heilsam es ist, in brüderlicher Liebe auf dem Weg zum liebenden Vater voranzuschreiten!

 

FÜRBITTEN

 

• Gott, Abba, unser lieber Vater, wir beten zu dir in dem vielfältigen Leid, das uns Menschen in dieser Zeit trifft, und rufen zu dir: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

A: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

 

• Ja, Herr, erbarme dich aller Menschen, die in sinnlosen Terrorakten gefoltert und ermordet werden. Gib ihnen Kraft, in solcher Not und Bedrängnis ihrer Seele treu zu bleiben.

A: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

 

• Auch bei uns gibt es Neid, Verachtung, Hass, Rufmord und Totschlag. Gib uns die Kraft, in unserem Umfeld das Böse durch das Gute zu überwinden.

A: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

 

• Schau auf jene Kinder, die durch ein schlimmes Vorbild von Erwachsenen in ein Dasein des Konsumterrors und der Sinnlosigkeit getrieben werden. Lass sie guten Menschen begegnen, die ihnen erlösende Wege zeigen können.

A: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

 

• Viele Väter und Mütter hoffen, ihr eigenes ungelebtes Leben in den Kindern nachholen und verwirklichen zu können. Schenke ihnen Einsicht in diese Entfremdung von sich selbst und lass sie Mut finden, ihre Kinder eigene Wege gehen zu lassen.

A: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

 

• An Hunger, Krankheiten, Wassermangel leiden Millionen Eltern und Kinder wegen unserer ungerechten Ausbeutung der irdischen Ressourcen. Schenke uns den Mut, gegen solche Sklaverei die Stimme zu erheben.

A: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

 

• Viele Menschen bemühen sich tagaus, tagein, den Weg der Liebe, der Empathie und der tatkräftigen Aussöhnung zu gehen. Lass sie nicht verzagen vor der Größe der Aufgaben und manch kaum sichtbaren Fortschritten.

A: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich!

 

Wir fühlen uns verbunden mit unseren Toten, besonders unserer Schwester Hertie Friedhoff. Nimm sie auf in Dein Reich des Lichtes und der Liebe. Den Trauernden aber sende Menschen, die sie stützen, sie auffangen und ihnen einen neuen Weg ins Leben zeigen.

 

Amen.

Frá Johannes Okt. 2013
Edmund Grümmer © 2013

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